Viele etablierte Hersteller führen zwischenzeitlich Kastenwagen mit vier vollwertigen Schlafstätten (siehe Liste). Es sind tatsächlich einige schöne Grundrisse dabei, allerdings haben alle diese Grundrisse diverse Vor- und Nachteile. Viele Grundrisse sind zudem mehr auf zwei Pärchen denn auf Familien ausgelegt. Die Fahrzeuge sind häufig recht eng, haben zu wenig Zuladung oder schlichtweg viel zu wenig Stauraum für vier Personen. Häufig versuchen Hersteller Bedürfnisse verschiedener Gruppen in einem Grundriss zu vereinen und so sind die meisten Fahrzeuge  schlichtweg nicht zu 100% auf Familien gemünzt. Daher, wie könnte der annähernd perfekte Grundriss für Familien aussehen?

Wir haben uns ein wenig mit der Frage beschäftigt, doch es ist tatsächlich ein schwieriges Thema und die eierlegende Wollmilchsau wird sich im Kastenwagen nicht realisieren lassen. Es ist immer eine Kompromisslösung, wenn vier Personen auf 6.00 – 6.36 Meter Länge vereisen. Um einen wirklich familienfreundlichen Grundriss zu kreieren, haben wir zunächst ein Lastenheft (Anforderungsspezifikation, Anforderungskatalog) definiert. Also die Frage geklärt, was die Key Features für einen familienfreundlichen Kastenwagen wären.

Hierfür war zunächst das Wort „familienfreundlich“ zu klären. Ein familienfreundlicher Kastenwagen wird normalerweise nicht für zwei Jahre angeschafft, sondern soll die Familie optimaler Weise ein paar Jahre begleiten. Beispielsweise von Kindergarten (oder früher) bis über die komplette Schulzeit. Das Fahrzeug sollte also sowohl für Familien mit kleinen Kindern, wie auch bei Familien mit angehenden Jugendlichen bzw. Jugendlichen funktionieren. Die unterschiedlichen Anforderungen zwischen den verschiedenen Altersgruppen müssen also irgendwie berücksichtigt sein.

An dieser Stelle definieren wir einmal unsere Beispielfamilie, die  uns durch den Artikel begleiten wird: Mutter, Vater, Sohn und Tochter. Also eine gar nicht so unübliche europäische Familie. Das grundsätzliche Ziel unserer Beispielfamilie ist ein Fahrzeug mit vier reisetauglichen Sitzplätzen und vier vollwertigen Schlafstätten. Gewünscht wird ein Fahrzeug mit 3,5t max. Gesamtgewicht, mit extra leichtem Innenausbau und einer damit verbundenen hohen Zuladung. Darüber hinaus soll das Fahrzeug auch mal als Zweitwagen fungieren können und daher übersichtlich bleiben. Wie könnte das Lastenheft unserer Beispielsfamilie also aussehen?

Lastenheft für einen familienfreundlichen Kastenwagen:

  • Fiat Ducato / Citroen Jumper, Ausführung L4H3 als 35h (Maxi), zul. Gesamtgewicht maximal 3,5t, also Hochdach und 6.00m Fahrzeuglänge. Innenfläche von ca. 3,7m Länge x 1,90m Breite x 2,17m Höhe, was in etwa 15m³ Ladevolumen entspricht. (ja, es gibt noch andere Basisfahrzeuge, doch diese sind leider alle schmaler, kürzer oder deutlich länger).
  • Masse im fahrbereiten Zustand maximal 3.000 kg (unsere Definition: Voller Tank, voller Wassertank, Fahrer), inkl. Markise. Somit eine Zuladung von mindestens 500 kg für den Rest der Familie und Gepäck. Um dies zu realisieren, bedarf es Leichtbau und dem Verzicht auf unnötiges Zubehör (wie bspw. Fahrradgepäckträger, Automatikgetriebe, Sat + Tv, …).
  • Vernünftige Sitzgelegenheiten für alle Mitreisenden, unabhängig vom Alter, auch auf der Rücksitzbank. Bedeutet also eine Einzelsitz-Rücksitzbank und Isofix (Befestigungssystem für Kindersitze in Automobilen). Hierzu haben wir hier schon mal was geschrieben.
  • Vier vollwertige Schlafgelegenheiten. Hierbei sollte besonders für ältere Kinder auch ein gewisses Maß an Privatsphäre möglich sein. Also wären zwei Einzelbetten (Kinder) sowie ein Doppelbett (Eltern) für unsere Beispielfamilie perfekt.
  • Genügend Stauraum, um das Gepäck (Kleidung, etc.) von allen Mitreisenden vernünftig unterbringen zu können. Zudem ein großes Staufach für Campingmöbel und ähnliches sperriges Gut. Gewünscht wäre auch ein großzügiges Dreckwäschefach (Prinzip: „Klappe auf, Klamotten rein, Klappe zu“). Gerade bei vier Personen sorgt dies für mehr Übersichtlichkeit und Ordnung im Fahrzeug.
  • Küchenblock mit Kochstelle (zwei Flammen), Möglichkeit zum Abwaschen und einem Kühlschrank mit um die 90 Liter Fassungsvermögen. Die Möglichkeit zu kochen, ohne sich gegenseitig zu sehr in die Quere zu kommen.
  • Ausreichend große Nasszelle mit WC, für große und kleine Mitreisende gleich gut nutzbar. Bevorzugt ohne Duschvorhang.
  • Sitzgruppe mit praktischem Klapptisch, um schnell zusätzlichen Bewegungsraum schaffen zu können.
  • Viele Ablagemöglichkeiten, diverse Haltenetze, Dreckwäschefach, Schuhfach, …! Also insgesamt durchdachte Verstaumöglichkeiten.
  • Heizung und Warmwasser per Diesel, um das Staufach für 2 x 11kg Gasflaschen einzusparen. Kochen per kleiner 2,75 kg Kartusche.

Das Lastenheft könnte man noch deutlich weiter ausformulieren. Doch wollen wir es an dieser Stelle bei diesen wenigen Punkten belassen, denn über den Rest (Motorisierung, Dekor, Zusatzoptionen, …) entscheidet jeder Käufer nach persönlicher Vorliebe. Wir reduzieren an dieser Stelle ganz bewusst auf den groben Grundriss. Auch kleinere Feinheiten lassen wir zunächst bewusst unberücksichtigt.

Mit diesem Lastenheft, den Fahrzeugmaßen und Power Point haben wir uns dann an den idealen Grundriss für Familien herangetastet und viel hin und her überlegt. Wie schon zuvor geschrieben, die eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht. So ist es nahezu nicht möglich, auf Basis eines Ducatos ohne GFK Hochdach die Schiebetür zu öffnen, wenn bspw. alle Schlafstätten errichtet sind. Das sind die Kompromisse, die man in einem übersichtlichen Kastenwagen eingehen muss.

Schlafen und Sitzen:

Die Planung des familienfreundlichen Grundrisses beginnt mit den Betten und der Sitzbank. Alles andere lässt sich um diese beiden Punkte herum bauen. Bei der Sitzbank ist man nicht sonderlich flexibel, denn die Rücksitzbank sollte sich familienfreundlich in Nähe der Eltern (Fahrer / Beifahrer) befinden und sich somit von der Anordnung her in direkter Nähe der Fahrgastzelle befinden. In diesem Punkt ändert sich also nichts zu herkömmlichen Grundrissen im Kastenwagen. Die Sitzbank sollte in einem Fahrzeug für vier Personen fernreisetauglich sein. Somit also entsprechenden Komfort besitzen. Hierzu bietet sich die Aguti Rücksitzbank mit Einzelsitzen an. Die Bank gibt es auch als klappbare Ausführung, was allerdings in einem familienfreundlichen Kastenwagen nur bedingt Sinn macht (außer man benötigt eine fünfte Schlafstätte). Kindersitze sollten für die Nutzung der Schlafmöglichkeiten grundsätzlich nicht demontiert werden müssen, sondern grundsätzlich für die Reise montiert bleiben können. So müssen Familien nicht täglich eine logistische Meisterleistung beim Umbau und verstauen der sperrigen Sitze vollführen.

Bei der Anordnung der Betten ist man deutlich flexibler. Am Sinnvollsten wäre ein Grundriss, in dem jedes Kind ein eigenes Bett erhält. Somit entstehen eine gewisse räumliche Trennung und eine gewisse Privatsphäre, was ggf. insbesondere bei heranwachsenden Kindern nicht zu unterschätzen sein dürfte.

Nachdem wir viel Hirnschmalz vergeudet und hin und her überlegt haben sind wir zu der Erkenntnis gekommen, das ein praktischer, familienfreundlicher Grundriss ein Etagen-Einzelbett für die Kinder / Jugendlichen sowie ein Doppelbett für die Eltern beinhalten sollte. Die logische Konsequenz für einen familienfreundlichen Grundriss im Kastenwagen also:  Etagen-Einzelbett im Heck, quer oder längs, für die Pänz. Hubbett oder Schwenkbett im Bug für die Eltern.

Grundrisse:

An dieser Stelle haben wir dann angefangen auf dem digitalen Reisbrett hin und her zu schieben. Mit der Anordnung der Betten haben wir gespielt und drum herum Nasszelle und Küchenbereich angeordnet. Im Ergebnis haben wir verschiedene familienfreundliche Grundrisse erhalten. Sämtliche Grundrisse auch als PDF zur besseren Ansicht. 

Grundriss 1:

Anordnung des Etagenbettes quer im Heck. Großer Kleiderschrank, bis zur Decke. Küchenblock in L-Form + Dachkasten hinter der Rücksitzbank angeordnet. Kühlschrank und weiterer Stauraum direkt an der Schiebetüre, mit Ausrichtung der Schranktüren zum Einstiegsbereich. Pinnwand oder Staunetz auf der Längsseite. Nasszelle auf der Beifahrerseite.

Was meint unsere Beispielfamilie?

Positiv:

  • Der Beispielfamilie gefällt, dass der Einstiegsbereich komplett frei ist und Raum zum Bewegen bietet.
  • Das der Kühlschrank auch von außen sehr gut erreicht werden und der untere Teil sehr gut als Schuhschrank genutzt werden kann.
  • Das der Küchenbereich sehr gut genutzt werden kann und man sich somit im Bereich der Sitzgruppe, bzw. des Einstiegsbereiches nicht in die Quere kommt.
  • Dass das Fahrzeug im Bereich des Einstieges, der Sitzgruppe und des Küchenblockes insgesamt großzügig und offen
  • Diese Großzügigkeit auch bestehen bleibt, wenn das Hub-/ Schwenkbett errichtet ist.
  • Der Beispielfamilie gefällt, dass die Kinder im Heck einen Rückzugsbereich und Privatsphäre haben. So der Schlafbereich bspw. ein wenig den Charakter von einer „Höhle“ erhält, was kleinere Kinder durchaus auch zum Spielen anregt.
  • Stauraum wäre der Beispielfamilie bei diesem Grundriss genügen vorhanden. Der Kleiderschrank bis zur Decke reicht für vier Personen aus. Weitere Staumöglichkeiten sind im Küchenblock und im Eingangsbereich vorhanden. Der Raum unter dem Heckbett ist ebenfalls großzügig genug, bspw. für sperrige Campingausrüstung.
  • Durch Demontage der beiden Heckbetten könnte man bei Bedarf zusätzlichen Stauraum für sperrige Güter schaffen.

Negativ:

  • Die Beispielfamilie weist auf die Längen der Heckbetten hin. Durch die Fahrzeugbreite und die Verjüngung des Fahrzeuges nach oben hin entstehen Einschränkungen bei den Bettmaßen. So ist im unteren Bett nur eine Länge von etwa 1.90 cm und im oberen Bett von etwa 1.85 cm im Maximum zu realisieren. Die Beispielfamilie hat Sorgen, das diese Abmessungen bei größeren Kindern problematisch werden könnten. Schaut man allerdings auf die Wachstumsentwicklung bzw. die Größentabelle von Kindern, so sagt diese aus, dass die Bettengröße durchaus als ausreichend zu erachten wäre. Betrachtet man die in der Regel größer gewachsenen Jungen, so erhält man folgende Werte: Nach der Tabelle sind 97% der Jungen mit 19 Jahren nicht größer als 1.90 m. bzw. 85% kleiner als 1.85 m. Da die Mädchen in der Regel kleiner sind, vernachlässigen wir die zweite Tabelle. Dennoch, bei groß gewachsenen Jugendlichen können die Abmessungen der Betten schon durchaus problematisch werden.
  • Der Beispielfamilie gefällt die Anordnung der Nasszelle auf der Beifahrerseite nicht so gut. Begründung: Zugang zur Toilettenkassette liegt im Aufenthaltsbereich der Familie vor dem Fahrzeug. SOG könnte ein Problem darstellen oder es wäre eine Entlüftung über das Dach anzudenken.
  • Der Beispielfamilie fehlt ein Dreckwäschefach.

Grundriss 2:

Bei Grundriss zwei handelt es sich vom Prinzip her um eine Abwandlung des ersten Grundrisses. Durch zwei deckenhohe Schränke erhöht sich das Stauvolumen. Der Küchenblock wandert in den Bereich der Einstiegstüre, wie dies bei vielen heutigen Grundrissen der Standard ist. Die Sitzgruppe verschiebt sich etwas nach hinten, was größere Beinfreiheit bedeutet.

Was meint unsere Beispielfamilie?

Positiv:

  • Die Beispielfamilie lobt dir größere Beinfreiheit im Bereich der Sitzgruppe
  • Der zweite deckenhohe Schrank erhöht das Stauvolumen deutlich und ermöglicht ein Dreckwäschefach.
  • Die Beispielfamilie merkt an, das man zudem die Nasszelle vergrößern und den Küchenblock 10cm weiter in den Eingangsbereich schieben könnte.

Negativ:

  • Die Beispielfamilie bemängelt auch bei diesem Grundriss die Größe der Heckbetten und die Anordnung der Nasszelle
  • Der Grundriss wirkt im Vergleich zum ersten Grundriss weniger Offen und Großzügig

Grundriss 3:

Auch beim dritten Grundriss bleiben die Querbetten im Heck erhalten. Im Grunde handelt es sich um einen in Teilen gespiegelten Grundriss zwei. Die Nasszelle wandert auf die Fahrerseite und die Schränke auf die Beifahrerseite. Der Grundriss drei entspricht damit weitgehendst den gängigen am Markt erhältlichen Grundrissen mit Heckbett. Das Heckbett ist allerdings mit etwa 90/75cm deutlich schmaler und ermöglicht so in der Tiefe mehr Raum für Familien.

Was meint unsere Beispielfamilie?

Positiv:

  • Der Beispielfamilie gefällt die deutlich größere Nasszelle. Diese ist im direkten Vergleich größer als in den anderen Grundrissen.
  • Der halbhohe Schrank hinter der Sitzgruppe wir positiv hervorgehoben. Auch wenn sich eine Schublade im unteren Bereich nicht komplett öffnen lassen würde, wäre so ein großzügiges Dreckwäschefach möglich. Der Schrank bietet zudem eine großzügige Ablagefläche, die mit Netz gesichert werden könnte. Zudem könnte man diesen Bereich als Wickelfläche für Babys und Kleinkindern nutzen. Dafür wären die 50 cm ausreichend.
  • Ebenso wird der Stauraum im Heck und Allgemein als ausreichend angesehen.

Negativ:

  • Die Beispielfamilie merkt an, dass im Vergleich zu den anderen Grundrissen das Raumgefühl leidet. Das Fahrzeug ist deutlich verbauter als bei den anderen Grundrissen und wirkt nicht so offen. Es wird aber auch festgehalten, dass der Grundriss im Großen und Ganzen den aktuell am Markt angebotenen Fahrzeugen entspricht.
  • Der Beispielfamilie gefällt der lange schmale Flur nicht, der insbesondere den hinteren Bereich recht Dunkel wirken lässt.
  • Die Beispielfamilie vertritt zudem die Auffassung, dass man sich in diesem Grundriss mit vier Personen deutlich mehr im Wege steht, als bei den Grundrissen eins und zwei.

Grundriss 4:

Bei Grundriss vier wurde ein neuer Ansatz verfolgt. So wird das Etagenbett auf der Fahrerseite in Längsrichtung eingebaut. Beide Betten erhalten so ein durchgehendes Maß von 85 (80) x 195 cm und sind somit größer als Querbetten. Die Nasszelle wandert dadurch ins Heck, ist mit 105 x 105 cm aber durchaus großzügig. Position des Kühlschrankes und des Küchenblocks entsprechen gängigen Grundrissen.

Was meint unsere Beispielfamilie?

Positiv:

  • Der Beispielfamilie gefallen die größeren Betten für die Kinder sowie der größere Einstieg. Auch bei dieser Anordnung erhalten die Kinder ein gewisses Maß an Privatsphäre.
  • Ebenso gefällt, dass der Einstiegsbereich verhältnismäßig offen bleibt.
  • Der halbhohe Schrank hinter der Sitzgruppe wird erneut positiv hervorgehoben.
  • Die Nasszelle im Heck auf der Beifahrerseite wird als weniger problematisch empfunden, da die Toilettenkassette über das Heck entnommen werden kann.
  • Die Beispielfamilie merkt an, das sich unter dem Längsbett ein gut zugängliches Dreckwäschefach realisieren lasse würde, bspw. über eine Schublade. Aber eben auch unter dem halbhohen Schrank, wie in Grundriss drei.

Negativ:

  • Der Beispielfamilie fehlt es in diesem Grundriss an Stauraum. So wird angemerkt, dass es an Platz für sperrige Sachen an Raum mangelt. Der Bereich im Heck unter den Betten ist deutlich kleiner als bei den Grundrissen mit Querbett und wird zudem durch den Radkasten weiter eingeschränkt.
  • Der Beispielfamilie fehlt zudem ein hoher Kleiderschrank. Dieser ließe sich allerdings durch verschieben des Küchenblocks in den Einstiegsbereich realisieren, oder durch Erhöhung des halbhohen Schranks. Allerdings zuungunsten des Raumgefühls.

Grundriss 5:

Bei Grundriss fünf wurde ebenfalls ein neuer Ansatz verfolgt. So wird das Etagenbett auf der Beifahrerseite in Längsrichtung eingebaut. Beide Betten erhalten so ein nahezu durchgehendes Maß von 85 (80) x 195 cm und sind somit ebenfalls größer als Querbetten. Nicht vermeiden lässt sich, dass eine Ecke des Bettes abgeschrägt werden muss. Die Nasszelle wandert auch bei diesem Grundriss ins Heck, ist mit 90 x 105 cm aber durchaus gut nutzbar. Wie in Grundriss eins erhält dieser Grundriss einen Küchenblock in L-Form. Kleiderschrank und auch Kühlschrank erhalten dieselbe Anordnung wie in Grundriss eins.

Was meint unsere Beispielfamilie?

Positiv:

  • Anordnung von Küchenblock, Kühlschrank und Kleiderschrank gefällt der Beispielfamilie wieder ausgesprochen gut. Die positiven Aspekte wurden bereits bei Grundriss 1 erörtert.
  • Der Beispielfamilie gefällt auch hier, dass das Fahrzeug im Bereich des Einstieges, der Sitzgruppe und des Küchenblockes insgesamt großzügig und offen

Negativ:

  • Auch bei diesem Grundriss fehlt es der Beispielfamilie an Staumöglichkeiten im Heckbereich.

Schlussbemerkung zu den Grundrissen:

In allen Grundrissen haben die Eltern die Möglichkeit, die Sitzgruppe noch zu nutzen, wenn die Kinder schon schlafen. Gerade bei kleineren Kindern ist das erfreulich. Das Hubbett wird erst herunter gefahren, wenn man selber nächtigen möchte. Bis dahin lässt sich die Sitzgruppe noch sehr gut und uneingeschränkt nutzen. Ein Verlassen des Fahrzeuges wird indessen schwierig, sobald das Bett herunter gefahren wird, da diese die Schiebetüre versperrt. Dies ließe sich wohl nur vermeiden, wenn man das Fahrzeug mit einem GFK Hochdach ausstattet.

Fazit:

Wenn man ein Fahrzeug konsequent auf die Bedürfnisse von Familien auslegt und nicht versucht verschiedene Lebensaspekte abzudecken, könnte man den Grundriss im Kastenwagen für Familien deutlich optimieren. Bis dato haben sich die etablierten Hersteller in diesem Punkt verhältnismäßig wenige Gedanken gemacht. Bei den meisten Fahrzeugen gilt: vier Schlafmöglichkeiten = Familienfreundlich. Mit einfach vier Schlafstätten ist es aber eben nicht getan. Familien haben andere Bedürfnisse als bspw. Pärchen. Bei nahezu allen Fahrzeugen bedeuten vier Schlafstätten zwei Betten mit etwa 140 x 190 – 200 cm. Was bei kleinen Kindern noch recht gut funktioniert, endet spätestens wenn die Kinder in die Pubertät kommen. Einzelbetten für die Kinder beugt dieser Problematik vor und sind somit durchaus hilfreich für den Familienfrieden.

Selbiges gilt für eine Rücksitzbank in PKW Qualität. Diese müsste in familienfreundlichen Kastenwagen serienmäßig vorhanden sein. Eigentlich gehört eine solche Rücksitzbank in alle Wohnmobile / Kastenwagen für vier Personen nach unserer Auffassung sogar vorgeschrieben. Alles andere ist schlichtweg ein Provisorium und nicht für längere Reisen geeignet.

Warum die meisten etablierte Hersteller den Markt für familienfreundliche Kastenwagen noch nicht deutlich stärker erschlossen haben, ist ebenfalls recht deutlich nachvollziehbar: Die Masse der Käufer von Kastenwagen sind in der Regel zu zweit unterwegs. Die Hersteller konzentrieren sich daher verstärkt auf diesen Markt. Um auch Fahrzeuge für vier Personen anzubieten ist es somit einfacher, einfach einen vorhandenen Grundriss geringfügig zu modifizieren, als einen komplett neuen zu kreieren. Ein neuer Grundriss bedeutet schlichtweg auch ein Risiko, insbesondere ein finanzieller Art.

Hoffen wir, dass die Hersteller in Zukunft den Mut finden, hier noch stärker auf die Bedürfnisse von Familien einzugehen. Wir glauben, dass das Potenzial für einen entsprechenden Markt und entsprechende Fahrzeuge durchaus vorhanden ist. Um jedoch wirklich konkurrenzfähige Fahrzeuge für vier Personen in der 3,5t Klasse der Kastenwagen zu bauen, müssen die Hersteller noch konsequenter auf Leichtbaumaterialien setzen, bspw. aus dem Flugzeug- oder Bootsbau. Aktuell wird hier noch viel zu stark auf Holz statt auf Verbund- und Leichtbauwerkstoffe gesetzt. Bei Fahrzeugen die auf zwei Reisende ausgelegt sind, mag das völlig in Ordnung sein. Bei vier Reisenden wird es Grenzwertig.

Wer gerne ein Fahrzeug wie hier von uns angedacht hätte, der muss sich an einen der zahlreichen Individualausbauer wenden. Der eine oder andere hat bereits ähnliche Grundrisse im Programm. Eine Übersicht von Ausbauern findet ihr hier. Es bleibt anzumerken, dass sich hier für Individualausbauer auch eine Chance bietet, sich diesen Markt zu erschließen und zu sichern. Familienfreundliche Kastenwagen sind noch eine Nische, die durchaus durch flexible und kleine Unternehmen ausgefüllt werden könnten. Einen deutlichen Fokus hierauf hat aber bis dato auch keiner der kleinen Ausbauer gesetzt.

Anpassen von Grundrissen:

Die obigen Grundrisse ließen sich von den etablierten Herstellern teilweise sogar recht einfach realisieren. Man müsste keine großen Risiken eingehen und alle Baugruppen komplett neu konstruieren und bauen. So könnte man bspw. den obigen Grundriss drei recht einfach auf der Basis vorhandener Grundrisse realisieren. So ließen sich Baugruppen weiterverwenden (Schränke, Küchenblock, Nasszelle, …), auch wenn man dabei weitgehendst auf Leichtbauwerkstoffe verzichten würde. Wahrscheinlich müsste man noch ein wenig hin und her schieben und einige Maße würden sich ändern, doch machbar wäre es. Vielleicht kommt hier ja zum Caravan Salon 2017 der richtig große Wurf. Lassen wir uns in der Frage überraschen.

Welche Fahrzeuge gibt es mit Etagenbetten?

Bevor einer der Leser anmerkt, dass es durchaus Fahrzeuge mit Etagenbetten gibt, listen wir euch diese hier noch auf. Es bleibt allerdings anzumerken, dass die meisten Fahrzeuge das Ziel haben, bereits bei 5,5 Meter Länge vier Personen unterzubringen. So beispielsweise der Pössl Vario 545 oder der Knaus Boxlife FE 540 MK. In der sechs Meter Klasse gibt es unseres Wissens nach aktuell nur ein Fahrzeug mit Etagenbetten im Heck: den Dreamer Family Select. Das Fahrzeug hat allerdings bereits sechs Schlafstätten und fünf eingetragene Sitzplätze. Das Fahrzeug ist zudem schon leer recht schwer und  die Betten im Heck und im Allgemeinen recht klein.

Fazit unserer Beispielfamilie:

Unsere Beispielfamilie hat einen ganz klaren Favoriten. Den werden wir an dieser Stelle aber noch nicht nennen. Der eine oder andere Leser kann es sich aber vielleicht auch schon denken. Wir wollen stattdessen die Grundrisse hier zur Diskussion stellen. Was wäre euer Favorit? Wo seht ihr weiteres Optimierungspotenzial? Wo muss man Kompromisse eingehen. Habt ihr vielleicht noch einen ganz anderen Grundriss im Kopf? Haut unten in den Kommentaren fleißig in die Tasten.

Anhang:

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