Auch viele Familien sind im Kastenwagen unterwegs und regelmäßig stolpern wir über dieselben Fragen in unserer Facebook Gruppe oder in den einschlägigen Foren. Entgegen der Auffassung vieler Hersteller, ist ISOFIX durchaus ein Thema, das viele Eltern beschäftigt. Unsere persönliche Auffassung zur Rücksitzbank und ISOFIX haben wir bereits mehrfach kundgetan. Beispielsweise hier in diesem Artikel zur Aguti Rücksitzbank. Wir vertreten die Auffassung, wer mit mehr wie zwei Personen verreist, der sollte nicht an der Sicherheit sparen und darüber hinaus auch auf der Rücksitzbank entsprechenden Komfort zur Verfügung stellen. Als Familie mit Kindern oder als Großeltern mit Enkeln, sollten man bei Neukauf den geringfügigen Aufpreis schlucken und zumindest die ISOFIX Bügel mitordern. Selbst wenn man auf die Komfortrücksitzbank verzichten will.

Was aber, wenn man schon ein Fahrzeug hat oder eines gebraucht kauft? Hier ist man dann in einem Dilemma, denn bei den wenigsten Kastenwagen / Wohnmobilen findet sich das aus dem PKW Bereich bekannte und von Familien sehr geschätzte Rückhaltesystem ISOFIX. So bleibt einem eigentlich nur die Möglichkeit, die Kindersitze per Anschnallgurt zu sichern. Die meisten Rücksitzbänke im Kastenwagen und Wohnmobil haben da aber ein weiteres Problem: Die Bänke sind nicht ergonomisch geformt, sondern häufig quadratisch, praktisch, rechtwinkelig. Hier haben die Kindersitze nahezu keinen Halt und tendieren bei Kurvenfahrten dazu, der Fliehkraft zu folgen. Bedeutet: Die Kindersitze rutschen über die Bank oder drohen auch schon mal umzukippen. Das Fazit: so sollte kein Kind transportiert werden, auch wenn es offiziell zulässig ist!

Was also tun?

Der erste Weg ist sicherlich, den Kontakt zum Hersteller des jeweiligen Fahrzeuges zu suchen. Mit etwas Glück gibt es ein entsprechendes ISOFIX Nachrüstset. So gibt es bspw. inzwischen eines des Herstellers Aguti, der Gurtblöcke an viele Kastenwagen und Wohnmobil-Hersteller liefert. Allerdings passt auch dieses Nachrüstset nicht zu allen Gurtblöcken des Herstellers und Aguti liefert auch nicht an Endkunden. Hier ist man also auf seinen Fahrzeughersteller angewiesen. Bei ALKO und anderen Herstellern von Gutblöcken gibt es meines Wissens und Recherche nach bis dato gar keine Nachrückmöglichkeiten. Bei ALKO Gurtblöcken aber seit Modeljahr 2017 zumindest die ISOFIX Option, zumindest bei Neufahrzeugen. Hier ist Aguti mit seinem Nachrüstset also aktuell alleine in weiter Flur.

Offiziell Nachrüsten:

Bei Knaus / Weinsberg gibt es zwischenzeitlich ganz offiziell dieses Nachrüstset, welches sich über jeden Vertragshändler erwerben lässt. Dieser ISOFIX Nachrüstsatz hat die Artikelnummer R05145934 und sollte zumindest die Nachrüstung bei allen neueren Fahrzeugen ermöglichen. Bei dem obigen Bild ist dieses Set bspw. in einem Weinsberg MQH von 2014 nachgerüstet worden. Andere Hersteller werden dieses Set sicherlich auch unter einer anderen Artikelnummer im Programm haben, sofern werkseitig der Aguti Sitzblock verbaut wurde. Im Zweifel sollte man in der Sache hartnäckig bleiben, denn viele meiner Anfragen wurden zunächst negativ beantwortet. 

Inoffiziell Nachrüsten:

Was aber nun, wenn man ein älteres Fahrzeug sein eigen nennt? Hier kommen wir zur DIY-Lösung, da bei Herstellern bis dato eben leider kein sonderlich großes Interesse besteht, in der Breite entsprechende Nachrüstsets anzubieten und diesem Missstand abzuhelfen. Schwierig wäre dies noch nicht einmal, denn so viele verschiedene Varianten von Gurtblöcken sind in den letzten Jahrzehnten gar nicht produziert worden. Zudem ist das Rückhaltesystem einfach zu konzipieren, es wäre aber ein enormer Aufwand, für diese Nachrüstsets eine Bauteilgenehmigung zu erhalten. Solange der Gesetzesgeber hier keine Vorgaben macht, wird in dieser Frage also auch in Zukunft wohl nicht viel passieren.

Ich nenne die DIY-Lösung mal ganz bewusst Bastellösung, denn es handelt sich nicht um ein zugelassenes Rückhaltesystem. Dennoch erhöht auch die Bastellösung die Sicherheit, sollte allerdings nur als Kindersitzfixierung angesehen werden. Im Fall eines Unfalls könnte die Verwendung bedeuten, dass ggf. kein Versicherungsschutz vorliegt. Wer einen solchen Weg einschlägt, der muss sich dieser Punkte bewusst sein und sollte also den Kindersitz immer zusätzlich auch mit dem Anschnallgurt sichern! Sprich, sich nicht ausschließlich auf seine DIY Fähigkeiten und Lösung verlassen!

Die einschlägigen Foren sind voll von diesen Bastellösungen, gibt man bspw. bei Google Bilder die Begriffe „diy + isofix“ ein, wird man jede Menge Selbstbaulösungen entdecken, die durchaus gut funktionieren. Die einfachste Lösung für alle DIY-Interessierten ist der Erwerb eines PKW Nachrüstsatzes. Beispielsweise von Ford oder Audi, die verhältnismäßig einfach und günstig über eBay erworben werden können. Hierzu einfach bei eBay nach ISOFIX Halterung oder ISOFIX Halter suchen.

Einige Beispiele zu DIY, findet Ihr bspw. hier:

Wer nun in der Lage ist zu schweißen, der kann sich eine solche ISOFIX-Halterung entsprechend anpassen und am bereits vorhandenen Gurtblock montieren. Alternativ lässt man diese Anpassungsarbeiten durch den Metallbauer oder die Werkstatt seines Vertrauens durchführen, vorausgesetzt man ist dort dazu bereit.

Wichtig bleibt hier anzumerken, dass eine solche angepasste Selbstbaulösung kraftschlüssig mit dem Gurtblock verschraubt wird. Bevorzugt an bereits vorhandenen Schraubpunkten. Gegebenenfalls dann auch längere Schrauben verwenden! Keinesfalls darf die Befestigung über oder an irgendwelchen Holzbauteilen erfolgen.

Nochmals weise ich an dieser Stelle darauf hin, dass eine Selbstbaulösung nur als Kindersitzfixierung zu betrachten ist und rechtlich kein zugelassenes Rückhaltesystem darstellt. Die reine Sicherung sollte weiterhin über den Sicherheitsgurt erfolgen!

Wer mehr Informationen zum ISOFIX Rückhaltesystem haben möchte, der kann in diese Richtlinie schauen und versteht schnell auch die Komplexität. Wer an einen kompletten Selbstbau denkt, findet in der Richtlinie weiter unten auch Skizzen zu den Verankerungen (bspw. Abstände), der der Ösen und ähnliches:

Alternative Sicherung?

Was wäre die Alternative zur Selbstbaulösung? Bemüht mal Google, findet man die verschiedensten abenteuerlichen Lösungen, mit denen Eltern versuchen Kindersitze im Wohnmobil zu sichern und zu fixieren. Spanngurte sind da noch die harmloseste Variante. Vieles davon ist nicht zur Nachahmung empfohlen.  

Nochmal: Was also tun?

Alternativ bleibt der Status Quo! Rein rechtlich seid Ihr damit auf der sicheren Seite. Rein technisch setzt man die eigenen Kinder durchaus einer Gefahr aus. Wer möchte als Eltern schon erleben, dass der Kindersitz während der Kurvenfahrt auf einmal seitlich wegkippt? Keiner von uns.

Ich persönlich würde daher eine Selbstbaulösung präferieren, wenn eine offizielle Nachrüstung nicht möglich ist. Ich würde diese Lösung allerdings ausschließlich als Fixierungsmöglichkeit betrachten, um dem Kindersitz fest in einer Position zu verankern und um so das Kippen und Rutschen zu vermeiden. Es bleibt aber anzumerken, dass dies ausschließlich meine persönliche Meinung darstellt. Es stellt von meiner Seite keine Empfehlung dar, entsprechend vorzugehen. Jeder muss da für sich selber abwägen und die entsprechenden Entscheidungen treffen.

Was ist eure Meinung und Auffassung zum Thema ISOFIX. Habt Ihr ISOFIX im Fahrzeug oder gedenkt ihr dieses Nachzurüsten? 

4 Kommentare

  1. Hallo,

    leider haben wir gerade die Erfahrung gemacht, dass zwei Kindersitze Römer für Kinder von 4 bis 12 Jahren nicht nebeneinander am Isofix System von Knaus passen! Hier gibt es noch einige Beiträge, die leider diese Erkenntnis belegen,(http://www.kastenwagenforum.de/forum/threads/isofix-fuer-knaus-und-knaus-withelabel.32277/ und http://www.ducatoforum-wohnmobile.de/forum/wbb/index.php?page=Thread&postID=559128) Ich kann nicht verstehen, warum Knaus seine Händlern keine Info gibt. Uns wurden die Isofix Halterung eingebaut und wir können diese nicht verwenden. Sind non in Verhandlung mit dem Händler, wie man diese Problem lösen kann.

    • Wir hatten schon zwei Kindersitze nebeneinander im Weinsberg MQH. Modell noch mit einer nicht ausziehbaren Rücksitzbannk. Die Kindersitze waren auch da schon enganliegend, aber es ging. Ich denke, es kommt auch darauf an, wie sperrig die Kindersitze eben sind. Viel Platz ist da aber tatsächlich nicht.

  2. Warum ein mit Dreipunktgurt gesicherter Kindersitz verrutschen oder gar kippen soll, erschließt sich mir nicht. Hat es solche Fälle gegeben?

    • Ja, es kann dazu kommen, insbesondere, wenn die Rückenlehne nicht ausgeformt sind, sondern es sich mehr oder minder um eine 90° Konstruktion aus Schaumstoff handelt. Dann fehlt der Seitenhalt! Das Rückhaltesystem des Dreipunktgurts greift erst ab einem gewissen Zugpunkt und der Sitz kann in Kurven somit durchaus „langsam“ zur Seite kippen.

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