Wer sich für Kastenwagen interessiert, hat wenig Auswahl beim Basisfahrzeug. Irgendwie kommt man am Fiat Ducato / Citroën Jumper nicht vorbei. Dabei gäbe es auch noch Iveco Daily, Mercedes Sprinter, Ford Transit oder VW Crafter. Alle diese Modelle fristen allerdings ein Nischendasein und familienfreundliche Grundrisse (ich spreche jetzt explizit von Neuwagen) mit vier Sitz-/Schlafplätze sind uns aktuell nicht bekannt. Daher wird sich der geneigte Leser gezwungenermaßen intensiver mit Ducato und Jumper auseinander setzen müssen.

Welche Fahrzeugvarianten gibt es?

Wer nun auf der Suche nach einem Fahrzeug ist und Prospekte wälzt, wird schnell mit den unterschiedlichsten Bezeichnungen für das Basisfahrzeug konfrontiert. Häufig werden im Prospekt die Begrifflichkeiten „Light“ und „Heavy“, verwendet oder „Ducato“ und „Ducato Maxi“, seltener die Bezeichnungen „35 L“, „35 H“ und „40 H“. Ganz häufig ist nur von einer Auflastung die Rede. An dieser Stelle dürfte nun jeder ohne gewisses Backgroundwissen völlig überfordert sein. Irgendwie geht es allerdings in allen Formulierungen um dieselbe Sache. Was sich wirklich dahinter verbirgt, ist vielen jedoch unklar. Wir wollen daher einmal Licht ins Dunkel bringen und versuchen es nicht zu technisch formulieren:

Die Bezeichnungen Ducato Light und Ducato Heavy kann man eigentlich getrost vergessen, da diese noch aus der Entwicklungsphase stammen. Das Überbleibsel dieser Bezeichnung hängt allerdings nach wie vor hinter den Bezeichnungen 35 und 40. Blöd eigentlich nur, das so mach ein Wohnmobilausbauer genau diese Bezeichnungen verwendet. Am einfachsten ist es, diese Bezeichnungen in den offiziellen Fiat Wortlaut „Ducato“ und „Ducato Maxi“ zu übersetzen. Gemeint ist in der Regel dasselbe.

Hier kommen wir nun zu der weiteren Unterscheidung. Vom „Ducato“ gibt es nur eine Variante (35 L). Vom „Ducato Maxi“ gibt es zwei Varianten (35 H und 40 H). Die Grundfahrzeuge sind dabei nahezu identisch. Kein Änderungen an der Karosserie, Cockpit oder ähnlichen. Die Änderungen liegen mehr im verborgenden und betreffen Achsen, Bereifung und Bremsanlage. Hieraus ergeben sich unterschiedliche zulässige Gesamtgewichte und Anhängerlasten. Nicht eingehen werden wir an dieser Stelle auf mögliche Auf-/Ablastungen der Fahrzeuge, das würde an dieser Stelle für viele Leser zu kompliziert und unübersichtlich. Dazu vielleicht ein anderes Mal mehr.

explosionszeichnung-ducato-35l

Ducato 35 L (oder eben laut Prospekten Ducato, Ducato light, light 33, light 35, 3300 light, 3500 light, etc.):

Das Fahrzeug  hat ein zulässiges Gesamtgewicht von 3.300kg oder eben 3,3t. Das Fahrzeug wird mit 15-Zoll-Rädern (215/70 R 15) ausgeliefert. Die Achslasten betragen 1750 kg an der Vorderachse und 1900 kg an der Hinterachse. Die Bremsscheiben haben einen Durchmesser von 280mm an Vorder- (innenbelüftet) und Hinterachse. Häufig wird von den Herstellern von Wohnmobilen eine Auflastung auf 3.500kg oder eben 3,5t angeboten. Hierbei handelt es sich nur um eine geringfügige Zulassungsänderung am Fahrzeug. Beide Achsen dürfen mit 100kg per Achse stärker belastet werden und kommen so auf 3,5t. Ansonsten handelt es sich um ein identisches Fahrzeug. In beiden Fällen betragen die Anhängerlast 2500kg oder 2,5t.

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Ducato  35 H (oder eben Ducato Maxi)

Das Fahrzeug hat ein zulässiges Gesamtgewicht von 3.500kg oder eben 3,5t. Wird von den meisten Wohnmobilherstellern als Option angeboten, manchmal auch serienmäßig. Optisch erhält das Fahrzeug zusätzliche Radlaufblenden aus Kunststoff. Das Fahrzeug wird mit 16-Zoll-Rädern (215/75 R 16) ausgeliefert. An der Vorderachse erhält der Käufer größer dimensionierte Bremsscheiben. Die Bremsscheiben haben einen Durchmesser von 300mm an Vorderachse (innenbelüftet) und 280mm an der Hinterachse. Die Achslasten betragen aufgrund von technischen Änderungen an Achsen, Federn, Lägern und ähnlichem 2100 kg an der Vorderachse und 2400 kg an der Hinterachse. Zudem ändert sich die Achsübersetzung gegenüber dem 35 L. Die zulässige Anhängerlast erhöht sich auf 3000kg oder 3.0t.

Ducato  40 H (oder eben Ducato Maxi 4000 kg)

Vom Prinzip her handelt es sich um einen Ducato 35 H. Das Fahrzeug wird ebenfalls mit 16-Zoll-Rädern ausgeliefert, allerdings mit einer 215/75 R 16 Bereifung. Beim 40 H sind an der Hinterachse zudem ebenfalls innenbelüftete Bremsscheiben mit einem Durchmesser von 300mm verbaut. Darüber hinaus erhält der 40 H eine deutlich größere Servobremse.

Wer die technische Thematik vertiefen möchte, kann sich hier (PDF) durch die technischen Unterlagen von Fiat wühlen. Nachstehend habe wir euch die Unterschiede einmal in einer Tabelle kenntlich gemacht:

tabelle-ducato-light-heavy-maxi

Fazit:

Wir würden euch immer empfehlen, mindestens einen „Ducato Maxi“, also 35 H zu ordern, die Fahreigenschaften liegen deutlich über denen eines 35 L. Zudem ist das Fahrzeug durch den Wohnmobilausbau dauerhaft deutlich schwerer als ein Ducato ab Fiatwerk. Sprich ein reiner Transporter wird nicht zwingend immer am Maximum betrieben, bei einem Reisemobil ist dies deutlich wahrscheinlicher. Insbesondere auch bei Bergetappen wird man für die größer dimensionierten Bremsen dankbar sein. Bei einem Kastenwagen als Reisemobil ist das zudem der goldene Mittelweg: Die 40 zusätzlichen Kilogramm sind zu verschmerzen. Bei einem „40 H Maxi“ sind es bereits 85 kg Mehrgewicht auf die kleinste Variante den „35 L“. Bei der knappen Zuladung im Kastenwagen sollte man diesen Punkt nicht außer acht lassen.

Thema Höchstgeschwindigkeit: Für sämtliche Fahrzeuge bis zu 3,5t zulässigen Gesamtgewichts gilt außerorts generell eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h. Auf Autobahnen gilt für Fahrzeuge bis 3,5t – also für den 35 L und 35 H – keine Höchstgeschwindigkeit.

Wer nun einen „Ducato Maxi 40 H“ mit 4t zulässigem Gesamtgewicht erwirbt und nicht auf die zuvor genannten 3,5t zulässiges Gesamtgewicht ablastet, für den gilt auch auf Autobahnen eine maximale Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h. Zudem gilt die Beachtung des LKW-Überholverbotes.  Sowohl auf Bundestrassen wie auf Autobahnen.

So, das war der erste Artikel aus unserer Serie Hintergrundwissen Ducato. Demnächst findet ihr hier weitere Artikel zum Thema Zuladung, Auflastung, Motoren, …! Schaut einfach mal wieder vorbei.

Bildquellen: Fiat Professional / Fiat Camper

2 Kommentare

  1. Hallo Lars, vielen Dank für deine Mühe mit der informativen Seite.
    Ich suche einen ErFahrungsbericht von jemandem, der einen Kastenwagen mit L Fahrwerk und einen mit H Fahrwerk gefahren ist. Wir haben uns den Knaus Boxstar 600 Family angesehen und er ist unser Favorit gegenüber allen Mitbewerbern.
    Mich stört aber das die meisten Händler nur das L Fahrwerk anbieten. Eventuell ist mal einer mit einer Auflastung darunter. Wie ist jedoch der Unterschied zwischen den. beiden im Alltagsbetrieb. Mit und ohne volle Ausladung? Wird das H Fahrwerk zu hart? Ich fahre seit 20 Jahren privat einen Sprinter und die waren nie ausgeladen. Aber ich habe die nie als unkomfortabel empfunden. Der aktuelle 319 mit 3,5t zGg
    ist ebenfalls ok. Konntest du die beiden Fahrwerkstypen in der Praxis testen? Ist mein Vorbehalt zu dem L Fahrwerk unbegründet denn so viele Anbieter können sich nicht irren?
    Grüße aus dem Kreis Herford sendet
    Torsten

  2. Hallo Thorsten, ich habe bereits beide gefahren. Ich würde dir immer zum Maxi Fahrwerk raten. Im reinen Fahrbetrieb merkst du dennoch keinen so großen Unterschied. Bemerkbar macht sich aber die Bremsleistung im beladenen Zustand. Zu hart finde ich das Maxi Fahrwerk nicht. Die Reserven sind dafür einfach in Grenzsituationen größer. Bspw. in den Bergen. Mit irren hat es auch nichts zu tun, sondern schlichtweg mit dem Geldbeutel, das Maxi Fahrwerk ist eben teurer. Gruß Lars

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